Montag, 21. september 2009
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Ich bin ehrlich, - ich kann den Begriff
"Finanzkrise" nicht mehr ertragen.
Es ist ein knappes Jahr her, das die Finanzkrise, die ja eine Kreditkrise sein soll, ihren Höhepunkt erreichte. Seitdem werden alle möglichen Mythen verbreitet, die das was wir erlebt haben
erklären sollen, es aber in Wirklichkeit nicht tun.
Eine kurze Anleitung:
Wir basteln uns eine neue Finanzkrise:
1. Gehen Sie morgen früh los und heben Sie alle ihre Ersparnisse ab.
2. Verkaufen Sie alle Ihre Wertpapiere.
3. Kündigen Sie Ihre Lebensversicherungen, Immobilienfonds, Sparverträge, .....
4. Sorgen Sie dafür, dass alle Ihre Bekannten das Gleiche machen
5. Sorgen Sie dafür, dass auch Ihre Bekannten das von deren Bekannten verlangen.
Fertig!
Glauben Sie nicht? - Ist aber so!
Also bitte auf keinen Fall in die Tat umsetzen.
All das Geld, welches die gesamte Bevölkerung "besitzt", ist nicht verfügbar, wenn alle gleichzeitig darauf zugreifen wollen. Die Märkte sind globalisiert. Das hat auch nichts damit zu tun,
dass einige Manager im Ländle zu hohe Boni kassieren.
Das sind, frei nach Hilmar Copper, "Peanuts".
Sie persönlich können morgen alle Ihre Investments "liquidieren", kein Problem. Wenn das aber alle tun, ist es ein Problem. Das Geld ist gar nicht da, da die Leute, denen Sie es gegeben
haben, es weiter investiert haben. Und diese wieder und wieder und wieder und wieder. Würde man das Geld schlagartig zur Verfügung stellen, es also drucken, so käme es augenblicklich zu einer
kollossalen Geldentwertung die zur Vernichtung des Geldwertes führen würde.
Geld hat keinen realen Wert an sich, sondern ein geldwertes Versprechen auf einen Wert. Dieser Wert ist völlig beliebig. Will sich ein Staat seiner Schulden entledigen, kann er den den Wert des
Geldes auf quasi Null setzen und so seine Bürger zwingen,von vorn zu beginnen. Es gibt Staaten mit einer Inflation von mehr als 10.000% im Jahr.
Auch der Geldschein in Ihrer Geldbörse ist nur ein Versprechen. Wenn morgen der Liter Benzin an der Tankstelle 800 Euro kostet, wird ihnen dies klar werden: Geldstabilität ist eine unheimlich
schwierige Aufgabe. Die Notenbanken der Welt müssen hart dafür arbeiten, diese Geldstabilität zu gewährleisten.
Noch schwieriger wird es mit Wertpapieren. In der Realwirtschaft sind Wachstumsraten von 5% im Jahr realistisch. Nicht realistisch sind Wachstumsraten von 20% und mehr. Dies kann die
Realwirtschaft nicht leisten. Steigen also Wertpapiere in diesen Dimensionen, so kann es daran liegen, dass sie unterbewertet waren oder, anderenfalls, der Wert durch verschiedene Mechanismen
gepuscht wird.
Betrachtet man die Wertentwicklung des DAX seit 1960, so fällt auf, dass, trotz realem
Wirtschaftswachstums, sich die Börsenwerte der Unternehmen bis 1985 kaum verändern. Das sind 25 Jahre Stagnation.
Danach kippt dieses konservative Szenario.
Grund ist die beginnende Globalisierung der Märkte mit ungeahnten Möglichkeiten, den Blick auf realwirtschaftliche Tatsachen zu verschleiern.
In den folgenden 15 Jahren bis zum Jahr 2000 kommt es zu einer Wertsteigerung um fast 1000%.
Am Ende steht der Zusammenbruch einer gigantischen
Spekulation ausgelöst durch den Neuen Markt.
Unternehmen, die eigentlich keine realwirtschaftliche Grundlage haben, ja nicht einmal ein Produkt haben, sind plötzlich Milliarden Wert.
Schmerzhaft ist nur, dass diese Verluste real eintreten, nicht etwa virtuell. Schliesslich handelt es sich nicht um Spielgeld, wie beim Monopoly.
Diejenigen, die ihre Gewinne rechtzeitig realisiert haben, werden bei diesem Spiel reich, manche super reich. Im Grunde genommen ist der Markt eine Art von Glückspiel, bei dem aber die
Gewinnchancen nicht aufgedeckt werden. Wer mitspielt, muss dies einfach wissen. Darum finde ich es auch armselig, bei diesem Spiel mitzumachen und anschliessend Banken zu verklagen, mich
nicht gewarnt zu haben.
Können Sie die Spielbank verklagen, wenn Sie verlieren?
Schliesslich sitzen in Ihrer Bank relativ dumme Menschen, denen man mühsam beigebracht hat, wie sie die für die Hausbank attraktivsten Finanzprodukte an den Mann, also an Sie bringen müssen. Diese
Menschen nennt man zwar "Berater", sie haben aber in den meisten fällen überhaupt kein umfangreiches Wissen über die Finanzmärkte. Eigentlich sind sie nicht vertrauenswürdiger wie Verkäufer in
einem Warenhaus.
Diejenigen, die sich wirklich in der Finanzwelt auskennen, sind überhaupt nicht an ständig steigenden Kursen und Renditen von 3 - 5 % interessiert. Wie sollte man dabei reich werden?
Deshalb müssen immer wieder Mechanismen gefunden werden, die hohe Kurse zusammenbrechen lassen um wieder zu attraktiven Einstiegskursen zu kommen, damit das (reale) Geld der "dummen Masse" in
die Hände der Könner gespült werden kann.
von Bill Armstrong
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veröffentlicht in: Wirtschaft
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