Blog von Bill Armstrong
Es sollte eine weitere gute Tat in der Finanzkrise werden.
Nachdem schon Banken vor dem Zusammenbruch bewahrt wurden, galt es nun die über 20.000 Arbeitsplätze in Deutschland (und Wählerstimmen) des Autobauers zu retten.Dabei ist Opel keineswegs durch die Finanzkrise unter die Räder gekommen. Vielmehr haben Missmanagement, Qualitätsmängel und eine verfehlte Produktpolitik das Traditionslabel und sein Image schon seit den 80er Jahren ruiniert.
In USA ging die amerikanische Mutter GM in die Insolvenz. Für eine "Mission Impossible" zugunsten Opel in Deutschland (und Europa) übertrafen sich im Wahljahr 2009 die Zusagen der Politik, da war noch gar kein Investor gefunden. Als dann Magna und Fiat Interesse zeigten und Konzepte vorlegten war man sich einig. Es sollte Magna werden.
Leider haben unsere Politiker, allen voran Roland Koch aus Hessen, die Rechnung ohne die Amerikaner gemacht. Die USA Regierung als Gläubiger und GM, die immer noch 35% an der Treuhandgesellschaft halten verhandeln munter mit anderen Investoren wie der Heuschrecke RHJ (ex Ripplewood) oder Beijing aus China weiter.
Ziel ist vermutlich, den Preis von Opel nach oben zu treiben. Immerhin stehen Bund und Länder mit versprochenen Bürgschaften in Höhe von 1,5 Milliarden ein, von denen bereits 300 Millionen geflossen sind. Das ist für das GM Pleite-Managmenente eine gute Gelegenheit aus einem eigentlich wertlosen Unternehmen das Maximum herauszuschlagen. GM in den USA ist an der Börse gerade mal noch 500 Millionen wert!
Ich bin überzeugt davon, dass GM mithilfe eines Investors die Filetstücke des Unternehmens herauslösen und mit Unterstützung von Steuergeldern profitabel machen möchte um diesen Bereich dann wieder in GM zu integrieren. Dies wird einen sehr großen Stellenabbau mit sich bringen, den man mit der Rettungsaktion eigentlich vermeiden wollten. Offensichtlich schein GM auch alle Trümpfe in den Händen zu halten. Denn falls nicht im Interesse von GM entschieden wird, kann GM Lizenzen und Leistungen der Entwicklungsbüros unzugänglich machen und damit Politik und Arbeitnehmer erpressen.
Letztlich sollen die Lasten der Sanierung eines privatwirtschaftlichen Unternehmens
wieder einmal doppelt sozialisiert werden! Erstens durch eine Finanzierung der Arbeitslosigkeit und zweitens durch die Kredite und die Insolvenzen der maroden Teile von Opel.Ministerpräsident Koch ist mittlerweile aus seinem Tiefschlaf erwacht und hat angekündigt, die Bürgschaften zurückzuziehen, wenn nicht Magna das Unternehmen übernehmen soll. Magna gilt im Gegensatz zu allen anderen Bietern als der einzige, der über ausreichende Know-How zur Weiterführung des Unternehmens verfügt.
Wir dürfen uns hier mit Sicherheit noch auf ein spektakuläres Sommertheater vorbereiten. Die angebliche Rettung gerät zu einem Fiasko. Für die Politik, die einfach nicht verstanden hat, wie die Uhren der Globalisierung wirklich ticken. Und natürlich für die bedauernswerten Mitarbeiter, die sich unhaltbaren Hoffnungen hingegeben haben. Wieder ist nur bekannt, wie hoch die Rechnung ist, aber nicht, was wir dafür bekommen werden.
Persönlich bin ich erschüttert, dass wir hierzulande weder Manager noch Politiker haben, die fähig und taff genug sind, sich gegen die Schergen der internationalen Finanz durchzusetzen.
Euer Bill
Thu, 16. jul 2009
2 Kommentare
Richtig! In ganz Europa noch einmal 20.000 Arbeitsplätze zusätzlich. Ich bin auch überzeugt, dass die Produktionskapazitäten zu hoch sind, für den Zustand von Opel ist allerdings das Mangement verantwortlich. Opel wird nicht so erhalten bleiben, wie wir es kennen, egal was uns die Politik (bis zu den Wahlen) versprechen wird.
Corecompetence - der 16.07.2009 um 14h54
Unfaehige Manager ? Mag schon sein. Aber "irgendjemand" muss auf jeden Fall untergehen, weil die Produktionskapazitaeten im Vergleich zur zahlungsfaehigen Nachfrage zu gross sind.
Man wird versuchen, die Sache bis nach den Bun destagswahlen hinzuschleppen. Danach wird klar Schiff gemacht. Abgesehen von den "Filetstuecken" - ob die nun GM frisst oder ein Konkurrent - wird liquidiert.