Kernkompetenz, engl. core competence, beleuchtet politische, wissenschaftliche und soziale Themen und vieles mehr aus einem unabhängigen Blickwinkel. Getreu dem Motto, die Wirklichkeit ist nur so real wie unser Standpunkt es erlaubt.
Outsourcing, übrigens das Unwort des Jahres 1996, ist hipp.
Genau so wie Globalisierung. Hatte man seitens der Politik zu Zeiten des Aufschwunges und der Renaissance der „freien Marktwirtschaft“ noch Lobeshymnen über „globale Strukturen“ und die Öffnung der Märkte sowie die Herausforderung durch multinationale „Global Player“ gesungen, ist das zu Zeiten der Finanzkrise
vergessen.
Dieselben Politiker verdammen Manager dieser „Global Player“ nun, unter geänderten Voraussetzungen, als Sozialschweine, Blutsauger und Millionengangster, die mit ihren Gehältern die Volkswirtschaften ausplündern und auch noch schlechte Leistungen bringen. (Was ist in diesem Zusammenhang eigentlich mit Fußballspielern, Formel 1 Piloten, Tennisprofis …… u.s.w.?)
Stellt sich mir die Frage: wird es dem Outsourcing ebenso ergehen?
Dieses so moderne, an den Unis der Welt als Heilslehre gepriesene Verfahren, simple Dienstleistungen teuer out- und Probleme daraus inzusourcen ist sehr beliebt. Nicht nur, dass die Anglikanisierung des Wortschatzes zu Verunstaltungen des ästhetischen Sprachempfindens führt, man betracht z.B. den Begriff "outgesourced“, es wird auch noch suggeriert, dass es sich darum um etwas gutes (Heilsbringendes) handeln könnte. Dabei wurde schon immer „extern verlagert“ bzw. Dienstleistung von außen eingekauft. Ein wirtschaftlicher Betrieb ist im Normalfall ein gut eingespielter Organismus. Dabei gilt, was wir können, können wir gut. Was wir nicht können, kaufen wir als Dienstleistung oder Waren ein. Beispielsweise wird ein Konsumgüterproduzent nicht damit beginnen, Bauarbeiter und Maschinen zu beschaffen, um sich eine neue Lagerhalle zu bauen. Diese Leistung wird er bei Spezialisten für Lagerhallenbau einkaufen und sich das machen lassen. Diese Beispiele für sinnvolles Outsourcing ließen sich jetzt unendlich lange fortsetzen.
Kommen wir zurück zum eingespielten Organismus. In Unternehmen heißt das, wir wollen uns nur noch auf die Kernkompetenzen konzentrieren! Übertragen auf den Menschen hieße das, Kernkompetenz ist es, zu leben. Also lassen wir unsere Nieren entfernen und gehen zur Dialyse. Die haben sich darauf spezialisiert und können das am besten. Weg mit dem Zeug. Der Rest des Körpers merkt aber sehr wohl, dass er mit eigenen Nieren besser zurecht kam. Und genauso ergeht es vielen Betrieben. Solche Erfahrungen werden auch bekannt und publiziert. Nur leider gibt es keine Lobby, für die inkompetenten Mitarbeiter und Kritiker, die deshalb Mitarbeiter heißen, weil sie nur mit arbeiten sollen aber nicht mit bestimmen, denn dann hießen sie ja Mitbestimmer.
Es verdienen mittlerweile auch so viele am Outsourcingmarkt, dass man es gar nicht in Frage stellen WILL. Folglich fährt man den Karren, gegen alle Einwände von unten, immer weiter in den Sumpf und, keine Angst, wirtschaflich sehr gut Unternehmen gehen davon nicht kaputt womit sich der Beweis einstellt, dass es ja funktioniert (nicht etwa, sich rechnet).
Kein Mensch isst Suppe mit einer Gabel, obwohl auch das funktioniert und am Ende satt macht.Leider haben jedoch die lieben Managerkollegen an den Unis das selbständige Denken verlernt und vergessen, dass man, sinnbildlich, bei Schmerzen des Leibes (Unternehmens) zum Arzt gehen sollte um sich zu therapieren. Stattdessen verteilt man bunte Pflästerchen auf alle die Stellen, die trotz aller Unterdrückung immer noch zu laut jaulen.
Treu dem Glauben, nur wer schon oben ist hat den Überblick über das Große, Ganze. Und doch tummeln sich dort alle abgehalfterten Consultants, und Professoren die in der realen Welt nichts substantielles hingekriegt haben außer den Marktingwortschatz den sie im Laufe ihres Werdeganges gelernt haben nachzubrabbeln.
Übrigens, wir haben jetzt unsere Mitarbeiter outgesourced. An den Staat. Die heißen jetzt „Arbeitslose“. Dafür haben wir Staatsanleihen gekauft (mit denen der Staat die Arbeitslosen bezahlt). Jetzt produzieren wir zwar nichts mehr, aber es beschwert sich auch keiner mehr über Outsourcingprojekte. Klasse, nicht?